Die Sun Cloud (4 von 4)
In meinen letzten drei Blog-Einträgen habe ich versucht, deutlich zu machen, in welche Richtung Sun sich bewegt. Ich habe unsere drei wichtigsten Prioritäten erläutert:
1. Einführung von Technologie
2. Kommerzielle Innovation
3. Effizient 1. und 2. miteinander verbinden
Ich hoffe, dass ich Ihnen die ersten beiden Leitlinien nahe bringen konnte - wie und wo wir den Einsatz von Software fördern und uns auf kommerziellen Erfolg konzentrieren.
Nun möchte ich darüber schreiben, was diese Punkte verbindet. Dies ist gleichzeitig eine unserer größten strategischen Herausforderungen: unser Wachstum.
Verkauf und Wachstum
Warum ist Wachstum eine Herausforderung für Sun? Ich beziehe mich hier
nicht auf Einsparungen im Einkauf. Wie bereits erläutert, nutzen wir –
statt Mengenrabatten oder Ähnlichem – Innovationen, um die
Wirtschaftlichkeit unserer Produkte zu fördern. Und das Wachstum, von
dem ich hier spreche, ist Wachstum im Verkauf und in der Vermarktung.
Mit unseren aktuellen Produkten könnten wir zweimal so viele Kunden
ausstatten wie bisher. Unsere Produkte sind für eine viel größere
Zielgruppe als unseren tatsächlichen Kundenstamm interessant. Doch
unsere eigene geringe Größe schränkt uns ein: Unsere
Vertriebsmitarbeiter und Partnerteams umfassen in ihrer Gesamtzahl nur
ein Zehntel von dem, was unsere Konkurrenten zu bieten haben.
Besonders in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten ist dies ein großes Problem. Die Zahl der Kunden zu erhöhen und gleichzeitig die Menge der Mitarbeiter zu verringern, stellt ganz offensichtlich eine Herausforderung dar.
Aber es ist gleichzeitig auch eine riesige Chance. Wir haben weltweit keine 100.000 Kunden. Um nur ein Beispiel anzubringen: Es gibt weltweit mehr als 10.000.000 MySQL-Benutzer. Wenn nur ein Prozent davon neue Kunden werden würden, könnten wir unseren Kundenstamm mehr als verdoppeln. Die Frage ist nur, wie dies geschehen soll. Wir wissen, dass wir für diese Benutzer wichtig sind, aber wir - und unsere Partner - können selbstverständlich nicht je einen Mitarbeiter ins Flugzeug setzen, um alle 10.000.000 zu besuchen.
Um eine Antwort auf diese Frage geben zu können, möchte ich zuerst ein Thema besprechen, das an dieser Stelle möglicherweise erst einmal irrelevant scheint: Suchmaschinen.
Die Absicht herausfinden
Warum spielen Suchmaschinen eine so wichtige Rolle? Weil auf diese
Weise extrem effizient sogenannte „Kaufabsichten“ analysiert werden
können:
Wenn
ein Internetnutzer beispielsweise „Flüge nach Kairo“ in eine
Suchmaschine eingibt, ist es sehr wahrscheinlich, dass er eine Reise
nach Ägypten plant. Das Wissen über diese Absicht der Kunden ist für
Fluglinien, Hotelketten und Autovermietungen, die ihre Dienste für oder
in Ägypten anbieten, von unschätzbarem Wert. Derjenige, der zuerst die
Absicht des Konsumenten erkennt, kann eine Verbindung zwischen dem
Reisenden und den entsprechenden Leistungsanbietern anbahnen und dies
in Geld umsetzen. (Das ist im Grunde der Kernpunkt jeder
Online-Werbung.) Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Werbung für einen
besonders günstigen Flug nach Kairo, die neben den Suchergebnissen für
„Flüge nach Kairo“ angezeigt wird, zu einem Ticketkauf führt, ist viel
größer als die, dass eine Plakatwand oder eine Zeitungsanzeige dasselbe
Ergebnis erzielt. Es ist viel einfacher, eine Nadel im Heuhaufen zu
finden, wenn die Heuhaufen nach der Anzahl Nadeln in ihnen sortiert
sind.
Bitte denken Sie noch einmal über das Modell nach, das ich in den letzten Blog-Einträgen erläutert habe: Unsere Geschäfte bei Sun basieren auf kostenloser Software und der massenhaften Verwendung dieser Programme. Und mit „massenhaft“ meine ich Millionen Interessenten am Tag. Was das mit Suchmaschinen zu tun hat?
Nun, was teilt ein Kunde uns mit, wenn er Software herunterlädt? Durch das, was er herunterlädt, sagt er uns etwas über seine Interessen. Wenn er MySQL oder ZFS herunterlädt, benötigt er aller Wahrscheinlichkeit nach eine Datenspeicherlösung. Wenn er OpenOffice.org herunterlädt, möchte er vermutlich Dokumente erstellen, speichern und eventuell drucken. Wenn er VirtualBox – unsere Virtualisierungssoftware – herunterlädt, wissen wir, dass er mit mehreren Betriebssystemen arbeitet. Ein enormer Strom solcher Daten trifft jeden Tag bei Sun ein: So erfahren wir etwas über die Absicht unserer technologiebegeisterten Kunden auf der ganzen Welt. Dies ist die Grundlage unserer analytischen Marketingaktivitäten.
Einzelpersonen und Unternehmen erklären sich durch ihre Downloads
bereit, Sun mitzuteilen, welche Absichten sie verfolgen, so dass Sun
einen einzigartigen Vorteil für den nächsten Schritt des Prozesses
nutzen kann. Wenn Ihr Unternehmen Lustre herunterlädt – das
marktführende Paralleldateisystem für Supercomputing –, ist es
wahrscheinlich, dass Sie eine Supercomputing-Einrichtung entwickeln.
Sun ist in der einzigartigen Lage, Lösungen für Lustre optimieren zu
können, und wir stellen diese Lösungen einer Benutzer-Community bereit,
von der wir wissen, dass sie Interesse an solchen Diensten hat.
Das ist einer der Gründe, weshalb wir auf dem Supercomputing-Markt einen immer größeren
Stellenwert einnehmen. Wir nutzen Softwareinnovationen, um die
Beliebtheit von Lustre zu fördern. Die meisten der wichtigsten
Supercomputing-Einrichtungen nutzen bereits unser System. Unsere
Produkt- und Service-Entwicklung richten wir dann so aus, dass wir
Einrichtungen, die Lustre verwenden, bei ihrer Optimierung
unterstützen. Und unsere Verkaufs- und Vermarktungsaktivitäten zielen
auf die Benutzer ab, die sich uns selbst zu erkennen geben, indem sie
Lustre oder Whitepapers und andere Dokumente zu Lustre herunterladen.
Doch wie bereits erwähnt: Der Großteil der Benutzer, die kostenlose Software einsetzen, werden wohl keine Millionen Dollar schweren Supercomputer entwickeln und uns deshalb wohl auch keine Millionen Dollar schweren Aufträge ausstellen. Aber auch das ist eine neue Chance, die uns dabei hilft, unsere Wachstumsherausforderungen anzugehen.
Einführung der Sun Cloud
Diese Chance setzen wir für die Sun Cloud ein, deren Konzept heute der
Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Wir möchten kommerzielle
Netzwerkservices für die gesamte Community bereitstellen, die
kostenlose Software nutzt.
Zuerst möchte ich noch einmal von unserer Ankündigung berichten.
Heute Morgen veröffentlichte Dave Douglas, der Senior Vice President unserer Abteilung für Cloud Computing, die Ankündigung, dass wir die Sun Cloud entwickeln und dafür Open-Source-Plattformen einsetzen, von ZFS und Crossbow bis zu MySQL und Glassfish. Mit über 4.000 Entwicklern, die sich um diese Elemente kümmern, und über zwanzig Jahren Erfahrung mit Softwareinnovationen auf Netzwerkebene sind wir äußerst zuversichtlich, dass unsere Technologie wieder einmal den Markt anführen wird. Da wir für unsere Entwicklungen Open Source als Basis verwenden und somit proprietäre Speicher- und Netzwerkprodukte vermeiden, können wir zudem unsere Kosten drastisch senken.
Ebenfalls angekündigt wurde, dass die APIs und Dateiformate für Sun Cloud alle offen sein werden und unter einer Creative-Commons-Lizenz bereitgestellt werden. Das bedeutet, dass Entwickler die Möglichkeit haben, unsere und ihre Cloud-Dienste in Produkten für den Massenmarkt anzubieten, ohne befürchten zu müssen, von der proprietären Lösung eines der neuen Anbieter von Clouds nur sehr schwer wieder loszukommen oder von einem solchen Anbieter verklagt zu werden.
Anders als bei unseren Konkurrenten wird unsere Cloud auch hinter Unternehmens-Firewalls und somit auch für die Kunden zur Verfügung stehen, die aufgrund von Richtlinien oder Sicherheitsbedenken keine öffentliche Cloud nutzen können. Wir wissen, dass vertrauliche Daten und Prozesse nichts in öffentlichen Clouds zu suchen haben. Wenn Sie also mit Ihrer Arbeit nicht zur Cloud kommen können, bringen wir die Cloud zu Ihnen.
Die Entwickler-Cloud
Wie können Entwickler die Cloud nutzen? Ich möchte Ihnen ein ganz
grundlegendes Beispiel dafür geben. Bei Sun wird intern demnächst eine
Version von OpenOffice eingesetzt, die für die Cloud erweitert wurde.
Wenn Sie sich in diesem Bild das Dateimenü ansehen, werden dort
Optionen aufgeführt, die in Ihrer OpenOffice-Version nicht zu finden
sind.
Doch in der Distribution von Sun werden sie eingebaut sein. Über „Save
to Cloud“ (Speichern in Cloud) und „Open From Cloud“ (Öffnen aus Cloud)
können OpenOffice-Benutzer unsere öffentliche Cloud nutzen, um dort
Dokumente im Netzwerk (statt auf ihrem PC) zu speichern und von dort
wieder abzurufen. Wir befinden uns derzeit bei Sun in der Beta-Phase
und freuen uns schon darauf, diese Innovation als öffentlichen Service
vorzustellen: Mit den etwa 3.000.000 neuen Benutzern, die jede Woche
zur OpenOffice-Community dazustoßen, wären wir bei 200.000.000
Benutzern und ihren Arbeitgebern. Wirklich spannend.
Dasselbe gilt auch für VirtualBox, unser Desktop-Virtualisierungsprodukt, das weltweit von Millionen Benutzern eingesetzt wird. Im Laufe des Jahres werden sich alle VirtualBox-Benutzer über eine neue Funktion freuen können, die einen Upload-Dienst für Benutzer bietet, die mehrere Betriebssystem- bzw. Anwendungsstapel archivieren oder ausführen möchten – in der Sun Cloud. Wir haben bereits von den Benutzern gehört, die mehrere Betriebssysteme einsetzen, und nun, da wir ihre Absicht kennen, ist es für uns ganz einfach, eine Cloud bereitzustellen und ihnen somit noch mehr zu bieten. Ebenso hilft uns der zunehmende Einsatz von Glassfish und NetBeans dabei, Anwendungsentwickler kennenzulernen, die möglicherweise daran interessiert sind, Anwendungen in der Cloud auszuführen oder zu speichern.
Auf diese Weise stellen wir nicht nur die grundlegenden Infrastrukturdienste bereit, die die Entwickler bereits von uns kennen und erwarten (zum Beispiel Speicher, Rechenleistung und Bandbreite), sondern können diesen mehreren Millionen Benutzern unserer kostenlosen Software eine Bibliothek mit Cloud-Services und Entwicklungsmustern zur Verfügung stellen, die den Wert erhöhen sollen, den sie bereits durch die zugrundeliegende Software erhalten. Gleichzeitig stärken wir so die Community-Entwicklung in offenen Clouds. Und all das basiert auf den Aussagen unserer Benutzer zu den für sie interessanten Themen. Das Netzwerk ist der Computer
Dieser Leitsatz verkörpert für mich unsere Vision am allerbesten: Das
Netzwerk ist der Computer. Der Umfang und die herausragende Qualität
der Open-Source-Software von Sun ist gut bekannt und wird nicht zuletzt
durch die riesige Community mit Hunderttausenden Benutzern weltweit
deutlich. Die Entwicklung der Sun Cloud und der Cloud-Services – von
Remote-Speicher bis Remote-Ausführung – wird uns Marktwachstum
bescheren und uns die Möglichkeit geben, unseren Kunden mehr Wert zu
bieten. Selbst während des wirtschaftlichen Abschwungs. Möglicherweise
beschleunigt dieses Klima unsere Services noch. Clouds sind genauso
interessant für Studenten und Startup-Firmen wie auch für Fortune
500-Unternehmen. Wenn Sie sich für die Sun Cloud interessieren,
besuchen Sie uns unter sun.com/cloud.
„Das Netzwerk ist der Computer“ war schon immer ein beeindruckender Leitspruch, um die Zukunft der Technologie zu beschreiben, die wir bei Sun entwickeln. Nun können wir diese „Vision“ zum ersten Mal wirklich in ein Geschäftsmodell umsetzen. Wir unterstützen die Software-Community, um unseren Marktanteil zu vergrößern und über das Netzwerk mehr Wert für unsere Kunden und Partner-Community bereitzustellen, deren Umfang Sun um ein Vielfaches übertrifft.
In dieser Verbindung zwischen Verbreitung und kommerziellen Möglichkeiten sehen wir eine Riesenchance, die in einer Welt, in der Bandbreite mittlerweile so selbstverständlich ist wie Elektrizität, nur durch Wachstum gemessen werden kann. Und die Akzeptanz kostenloser Software wird wachsen und wachsen.
Dies ist der letzte Beitrag in meiner Blog-Serie zu Sun und der Richtung, die Sun für die Zukunft einschlägt. Ich hoffe, Sie haben Interessantes erfahren. Wir sind ein recht einfaches Unternehmen. Wir möchten drei Ziele erreichen. Erstens: Wir möchten kostenlose Software in der ganzen Welt fördern, denn sie ist gut für die Erde, gut für mehr Innovationen ... und gut für unsere Geschäfte. Zweitens: Wir möchten die interessantesten Technologien der Welt anbieten, von der Entwickler und Anwender gleichermaßen begeistert sind. Und drittens: Wir möchten diese Aspekte wiederum einsetzen, um unsere Cloud und seine Benutzer zu fördern – unsere Kunden, Partner und Sun selbst.
Vielen Dank für Ihre Zeit und Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal.
Posted on 04:38PM Apr 02, 2009 |












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