Entscheidungsfreiheit
Heute ist der Eröffnungstag der MySQL User Conference und aus diesem Anlass möchte ich Ihnen eine Interaktion mit einem Kunden schildern, der ich vor Kurzem beiwohnte und bei der es um die Übernahme von MySQL ging.
Vor einigen Wochen besuchte ich den Chief Information Officer (CIO) einer großen kommerziellen Organisation. Ebenfalls anwesend waren der Chief Technology Officer (CTO), der Chief Information Security Officer (CISO) und eine Reihe weiterer Vertreter aus den zahlreichen Entwicklungsbereichen dieses Unternehmens.
Das Team von Sun hatte den Tag damit verbracht, einen Überblick über die bisherigen gemeinsam erzielten Erfolge zu geben, und präsentierte zum Abschluss eine Produkt-Roadmap. Ich hatte den Eindruck, dass der Tag sehr positiv verlaufen war. Als ich ankam, ging ich daher davon aus, dass ich mich bloß für die gute Zusammenarbeit bedanken und dafür sorgen müsste, dass alle wissen, wie sie mich im Bedarfsfall erreichen.
Zum Zeitpunkt des Treffens hatten wir gerade die Übernahme von MySQL abgeschlossen, was mich dazu veranlasste, gegen Ende des Treffens zu fragen: Hätten Sie Interesse an einem kurzen Update zu MySQL, dem neuesten Mitglied unserer Familie?
Der CIO beantwortete meine Frage mit einem klaren: Wir benutzen nicht MySQL, sondern [Name aus rechtlichen Gründen verschwiegen]. Der CISO ergänzte noch: Wir können unsere Entwickler nicht einfach Software aus dem Internet herunterladen lassen, schließlich müssen wir Auflagen und Sicherheitsrichtlinien einhalten. Der CTO lächelte. Dem hatte scheinbar niemand etwas hinzuzufügen. Ich entschloss mich daher, es dabei zu belassen. Herzlichen Dank für die gute Zusammenarbeit.
Dann meldete sich jedoch ein (äußerst diplomatischer) selbstbewusster Vertriebsmitarbeiter von Sun zu Wort: Also ... ich habe mich mit einem Bekannten bei MySQL kurzgeschlossen und ihn das mal überprüfen lassen Ihre Firma hat MySQL im letzten Jahr über 1.300 Mal heruntergeladen.
Daraufhin herrschte erst einmal betretenes Schweigen, bis einer der Mitarbeiter des internen Entwicklungsteams bemerkte: Eigentlich benutzen wir alle MySQL. Warum sollen wir uns mit Lizenzvereinbarungen herumschlagen, wenn MySQL alles bietet, was wir brauchen? Wir freuen uns sehr, dass Sun MySQL gekauft hat.
Abgesehen von dem einen oder anderen betretenen Schweigen haben wir nun eine sehr produktive Beziehung mit diesem Kunden und stellen weltweit kommerziellen Support für die wie sich herausstellte beliebteste Datenbank der Entwicklungsabteilung des Kunden zur Verfügung. Die Entwickler des Unternehmens entdecken ständig neue Anwendungsgebiete für MySQL sowie neue Möglichkeiten, auf dem Weg in die Zukunft Zeit und Geld zu sparen.
Und dass ein CIO nicht weiß, wie allgegenwärtig und wertvoll freie Software für sein Unternehmen geworden ist, ist gar nicht so unüblich. Im Gegenteil: Es handelt sich um ein weit verbreitetes Phänomen. Diese Kluft wollen wir langsam aber sicher überbrücken.
Geschäftschancen finden sich überall.
Dasselbe gilt für freie und offene Software.
Und vielleicht geht beides sogar Hand in Hand.
Posted on 06:00PM Apr 18, 2008 |


















