Dienstag Feb 20, 2007

Meine Familienfotos – und ODF

Bei einem Besuch bei meinen Eltern vor ein paar Jahren habe ich mir einen Schuhkarton voll alter Familienfotos angeschaut. Das war fantastisch, es war wirklich schön, diese Bilder anzusehen – bis mir auffiel, dass das die einzigen Exemplare sind. Das heißt, es gibt keine Kopien. Nirgends. Und von mindestens einem meiner Familienmitglieder gibt es überhaupt nur zwei oder drei Bilder. Himmel!

Ein Schuhkarton, dachte ich. Wie altmodisch ... Was, wenn es zu einer Überschwemmung kommt oder, Gott bewahre, ein Feuer ausbricht? Ich möchte diese Fotos mit meiner Familie teilen und von Generation zu Generation weitergeben können. Ich möchte, dass meine Kinder über ihre Herkunft Bescheid wissen. Und ihre Kinder und die Kinder ihrer Kinder.

Also habe ich getan, was jeder gut Sohn tun würde: Ich habe meine Eltern überzeugt, mir den Karton vorübergehend zu überlassen, bin nach Hause gefahren und habe die Fotos gescannt (und den Karton zurückgebracht).

Dann hatte ich die gescannten Fotos auf meiner Festplatte. Auf meinem Laptop. In meiner Küche (da wohnt mein Laptop).

Wenn man sich überlegt, was täglich in meiner Küche abläuft, waren sie da vermutlich mehr Gefahren ausgesetzt als in einem Schuhkarton. Soviel zum Thema „altmodisch“. Das war der erste Tiefschlag.

Also habe ich ein paar DVDs gebrannt und in meinem Haus und an andere Familienmitglieder verteilt. An dieser Stelle sage ich einfach nur, dass es einen Grund gibt, warum die meisten Laien-Systemadministratoren das nicht beruflich machen: Ein Großteil der DVDs ist verlorengegangen. Das war der zweite Tiefschlag.

Ein kluger Mensch hat glücklicherweise einmal gesagt: das Netzwerk ist der Computer. Ich habe mich also vor einer Weile entschlossen, die Bilder zu meinem Online-Fotodienst hochzuladen. Wenn man auf einen Schuhkarton aufpassen möchte, kann man genauso gut jemanden bezahlen, der auf anderer Leute Schuhkartons aufpasst und vielleicht sogar der Beste für diese Aufgabe ist.

Und dann dachte ich weiter nach ...

Wie kann ich sicherstellen, dass es diesen Dienst auch in einem, fünf oder gar fünfzig Jahren noch gibt und ich dann immer noch auf die dort gespeicherten Bilder zugreifen kann? Was, wenn die Bilder die Technologie, sie anzusehen überdauern?

Mit diesem Hintergrund haben Sie nun ein praktisches Beispiel für die Motivation hinter dem sogenannten Open Document Format.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Gesetzgeber und verfassen ein Gesetz. Oder Sie sind Arzt und schreiben einen Patientenbericht. Oder Student und schreiben einen Roman. Und in fünf oder auch fünfzig Jahren möchten Sie wieder auf Ihre Dokumente zugreifen können. Nur leider gibt es den Hersteller, mit dessen Anwendung Sie die Dokumente erstellt haben, also die Firma, die das Textverarbeitungsprogramm entwickelt hat, nicht mehr, oder Sie sollen nun plötzlich 10.000 € für eine Version bezahlen, mit der Sie alte Dateiformate lesen können. Beide Beispiele machen klar: Informationen überdauern immer die Technologie.

Was tun?

Zunächst ärgern Sie sich. Schließlich haben Sie die Informationen erstellt, und nicht der Softwareanbieter. Sie würden auch nicht wollen, dass ein Kamera-Hersteller von Ihnen Geld verlangt, bevor Sie sich Ihre Familienfotos ansehen können. Und das ist die Gefahr, die bei Anwendungen ohne offene Dateiformate besteht. Denken Sie daran, Informationen überdauern die Technologie.

Darum haben wir zusammen mit einigen der bedeutendsten Technologie-Unternehmen der Branche und einer Vielzahl von Behörden und Institutionen weltweit das Open Document Format (liebevoll ODF genannt) entwickelt. ODF definiert ein offenes Format für dokumentbasierte Informationen, das unabhängig ist von den Anwendungen, die zur Erstellung der in ODF gespeicherten Dokumente verwendet wurden.

Das heißt nichts anderes, als dass Sie heute ein Gesetz oder einen Patientenbericht oder sonstige Akten mit einem Textverarbeitungsprogramm verfassen können, das ODF unterstützt, und dann bei Bedarf auch in Zukunft jederzeit beliebig darauf zugreifen können. Ohne von einem Anwendungshersteller abhängig zu sein. ODF ist ein offener Standard, der von verschiedenen Herstellern übernommen und implementiert wurde (von IBM und Sun über Google bis hin zu Red Hat und seit kurzem auch Microsoft) und weltweit unglaublich viele Anhänger hat. Und kostenlos ist.

Manche Behörden und Unternehmen haben vorgeschriebene Archivierungszeiten für Dokumente, die über die Lebensdauer der Software (und auch der Mitarbeiter) hinausgehen. Für sie ist es besonders wichtig, dass auf Informationen und Dateiformate auch in ferner Zukunft noch problemlos zugegriffen werden kann. Dasselbe gilt für die Fotos im Schuhkarton: Als Geschäftsführer meines Haushalts möchte ich, dass die Bilder mich überleben.

Und falls es Ihnen bisher entgangen ist: Wir arbeiten mit Google zusammen, um die Kompatibilität zwischen Office-Dokumenten von Google und OpenOffice-Dokumenten zu gewährleisten. Dabei wird ODF als Medium zum Dateiaustausch genutzt. Jedes mit Google erstellte Dokument kann problemlos nach OpenOffice exportiert werden und bald auch umgekehrt (s. Screenshot). Gemeinsam ermöglichen diese beiden Produkte Geschäfts- und Privatkunden Zugriff auf Gesetze, Verträge, Patientenakten, Terminkalender, Strategiepläne, Tabellen und Präsentationen – weltweit und über Generationen hinweg.

Für alle, die OpenOffice noch nicht kennen: Es handelt sich dabei um eine kostenlose Produktivitätslösung, die immer kostenlos bleiben wird, sowohl für Unternehmen als auch für Endbenutzer. Soweit wir das überhaupt zählen können, haben wir bisher mehrere Hundert Millionen Kopien weltweit verteilt (hier herunterladen). Und jetzt, da Microsoft seine Unterstützung für das Open Document Format bekannt gegeben hat, können Benutzer sicher sein, dass OpenOffice in jeder Umgebung, zu Hause wie im Büro, eingesetzt werden kann, und zwar weltweit. In einigen Wochen können Sie hier ein ODF-Plug-in herunterladen, mit dem Microsoft Word standardmäßig ODF-Dateien speichern und lesen kann. Wenn Sie das Plug-in installiert haben, sehen Sie Folgendes in der Optionsleiste von Word:

(Es wird einen Verweis geben, sobald das Plug-in zur Verfügung steht.)

Von dem Moment an ist ODF Ihr Standardformat. Egal, ob Sie in der Erdölbranche tätig oder Student sind: ODF ermöglicht nahtlose Kompatibilität zwischen Open-Source- und Closed-Source-Umgebungen, und zwar solange es den Standard gibt, nicht nur, solange es die Technologie oder das Produkt gibt.

Vom Unternehmensstandpunkt aus ermöglicht das auch eine problemlose Migration innerhalb großer Unternehmen. Abteilungen mit Kundenkontakt können weiterhin mit Microsoft Word arbeiten, das restliche Unternehmen kann zu einer kompatiblen Alternative wechseln (z. B. das Textverarbeitungsprogramm von Google oder OpenOffice oder beides). Kosteneffizienz und Interoperabilität sind wichtig für das Internet – und für die nachfolgenden Generationen, die es nutzen werden.

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