Montag Mai 12, 2008

Unser 3. Quartal

Am Donnerstag letzter Woche gaben wir die Ergebnisse für das 3. Quartal (Q3) bekannt, und leider entsprechen sie weder meinen Vorstellungen noch denen von irgendjemand anderem.

Wie Sie in der Presserklärung nachlesen können, erzielten wir im 3. Quartal Einnahmen in Höhe von 3,267 Milliarden US-Dollar, was etwa dem Niveau vom Vorjahr entspricht. Dieser Wert stellt laut der GAAP-Bilanz einen Verlust von 0,04 USD pro Aktie dar (das entspricht dem Aufwand für die in diesem Quartal abgewickelte Übernahme von MySQL) – er bedeutet jedoch ebenfalls Bareinnahmen in Höhe von 320 Millionen Dollar.

Die Enttäuschung des Quartals waren die Einnahmen in den USA, die im Jahresvergleich um fast 10 % zurückgingen – das ist ein großer Rückschritt für das Land, in dem wir im Schnitt 40 % unserer Gesamteinnahmen erzielen. Glanzpunkte waren die Entwicklung in Indien mit einem Anstieg um 30 % im Vergleich zum Vorjahr sowie unsere Chip-Multithreading-Systeme Niagara, für die der Auftragswert um 110 % zunahm.

Wir konnten in 12 von 16 Ländern, in denen wir tätig sind, ein Wachstum verzeichnen, aber das schwache Ergebnis in der größten Wirtschaftsnation der Welt (und des Portfolios von Sun) lässt sich nur schwer ausgleichen. Auf der Unternehmensebene konnten wir daher keine Steigerungen erzielen.

Wir sehen jedoch trotz der schwachen Wirtschaft in den USA positive Entwicklungen und Chancen auf globaler Ebene. Natürlich werden wir aufgrund der Quartalsergebnisse einige Änderungen vornehmen. Unsere Vision und unsere strategische Ausrichtung bleiben jedoch unverändert: die Netzwerk-Infrastruktur wird erweitert, Entwickler werden weiterhin an der Architektur dieser Infrastruktur feilen und die Nachfrage bestimmen, und wir werden auch in Zukunft eine marktbestimmende Position anstreben.

Im Anschluss an diese einleitenden Worte möchte ich einige Fragen beantworten:

Wie sieht die Situation in den USA aus?
Gegen Ende des Quartals mussten wir einen relativ starken Rückgang der Nachfrage seitens kleinerer Kunden und nach größeren Systemen (z. B. Enterprise-Server und große Bandbibliotheken) feststellen. Sie erinnern sich sicher, dass wir zum Ende des zweiten Quartals über eine positive Auftragslage und jede Menge Schwung verfügten und das Feedback unserer Kunden bestätigte, dass wir eindeutig auf der richtigen Spur waren. Nicht nur wir wunderten uns daher Anfang März über die Stagnation bei den Vertragsabschlüssen.

Weshalb ging der Absatz großer Systeme zurück?
Es mag paradox klingen, aber Aufträge für größere Systeme sowie umfangreichere Aufträge gehen oftmals schneller zurück als kleinere Aufträge. Der Kauf von Systemen und Speicherkapazitäten für eine umfassende Erweiterung wird in der Regel langfristig geplant und auch die Implementierung erfolgt über einen längeren Zeitraum (die Systeme werden nicht sofort am Liefertag in Betrieb genommen). Eine Verzögerung um einige Wochen – aufgrund von Bedenken wegen der Hypothekenkrise in den USA oder weil der Finanzleiter einen Investitionsstopp verordnet hat – ist daher nicht ungewöhnlich.

Bedenken Sie auch, dass wir über ein umfangreiches Produktportfolio verfügen, das von einfachen Blades und Schulungsservices (mit einem raschen Wachstum) hin zu hochwertigen Enterprise-Systemen und Infrastruktur-Software (mit langsamerem Wachstum) reicht. Nicht jedes System bzw. jedes Produkt ist für jede Arbeitslast geeignet – daher bieten wir einen breiten Produkt- und Serviceumfang.

Wie wird Sun auf die aktuelle Entwicklung reagieren?
Wir werden unser Geschäft weiter diversifizieren und zwar sowohl auf geografischer Ebene als auch über die Erschließung benachbarter Marktsegmente, z. B. durch die Einführung unserer Open Storage-Initiativen in der vergangenen Woche und die Übernahmen von MySQL und Vaau.

Darüber hinaus haben wir eine Umstrukturierung angekündigt, mit der gezielte Einsparungen bei den Betriebsausgaben erreicht werden, was u. a. den Abbau von bis zu 2.500 Stellen zur Folge haben wird.

Wir unternehmen entschiedene und durchdachte Maßnahmen, um Wachstumschancen zu erschließen und unsere Kostenstruktur in Einklang mit unserem Geschäftsmodell zu bringen. Wie bereits in der Vergangenheit müssen wir dabei entscheiden, wo wir investieren und aus welchen Bereichen wir uns zurückziehen.

Die Entwicklung eines Unternehmens erfordert immer wieder Entscheidungen.

In welchen Bereichen wurden im vergangenen Quartal Zuwächse erzielt?
In 12 der 16 Länder und Regionen, in denen wir tätig sind – darunter Indien (30 %), Brasilien (20 %), China, Russland, der Nahe Osten und Kanada, um nur einige zu nennen. Weltweit werden Technologielösungen weiterhin als Motor für Wachstum, Automatisierung und Effizienzsteigerungen angesehen. Sogar unser Geschäft an der Wall Street verbesserte sich im vergangenen Quartal.

Auf der Produktebene macht sich unser Engagement im Bereich energiesparender Systeme bezahlt: der Auftragswert von Niagara-Systems nahm im Jahresvergleich um 110 % zu, während unsere neuesten Blade-Systeme (AMD, Intel und SPARC) sogar ein noch höheres Wachstum erzielten. Das Team von MySQL lieferte ein hervorragendes Quartalsergebnis und die Einnahmen aus den Serviceleistungen stiegen um 3 % (wovon natürlich ein großer Teil softwarebezogen ist). Der Auftragswert bei den Plattenspeicherlösungen nahm um 6 % zu.

Auch bei den passivischen Rechnungsabgrenzungsposten wurde ein erfreulicher Anstieg um 25 % erreicht. Diese Einnahmen umfassen meist hochwertigere Systeme und komplexe Konfigurationen und bieten daher eine überdurchschnittliche Gewinnspanne. Die versetzten Einnahmen aus Dienstleistungen gingen zurück, was im Zusammenhang mit der Einführung eines neuen ERP-Systems steht, auf die ich an anderer Stelle einging (wir rechnen mit einem Ausgleich der Verluste im 4. Quartal).

Wo lief es weniger gut?
Der Bereich Enterprise-Systeme, der im ersten und zweiten Quartal mit einem Anstieg um 20 % bzw. 8 % hervorragend abschnitt, zeigte sich im vergangenen Quartal schwächer, was jedoch nicht auf die stärkere Konkurrenz zurückzuführen ist. Unsere APL-Systeme waren außerordentlich erfolgreich und wir konnten unsere Partnerschaft mit Fujitsu stärken. Der Absatz von Bandbibliotheken nahm ab, der Verkauf von Bandmedien lief jedoch gut.

In Anbetracht dieser beiden Posten lässt sich feststellen, dass die Verkäufe von einfacheren Produkten mit höherem Absatzvolumen den Rückgang bei den hochwertigen Systemen mit geringem Absatzvolumen noch nicht ausgleichen konnten.

Weshalb hören Sie nicht einfach damit auf, Ihre Software zu verschenken?

Weil wir den Schwerpunkt auf die Verbreitung unter Entwicklern setzen. Ich nenne Ihnen ein Beispiel:

In der vergangenen Woche erhielt ein bekanntes Medienunternehmen eine bedeutende Investitionssumme. Bislang waren wir noch nicht auf das Unternehmen aufmerksam geworden. Da im Rahmen der Investition eine umfassende Infrastrukturerweiterung erwähnt wurde, schickte ich dem Leiter unseres Global Sales-Teams eine Mitteilung und fragte an, ob wir bereits Kontakt aufgenommen hätten.

Er verneinte, holte dies jedoch umgehend nach, und es stellte sich heraus, dass die gesamte Infrastruktur des Unternehmens auf MySQL basierte.

Bevor wir also auf das Unternehmen zugegangen waren, bevor wir eine Geschäftsbeziehung eingingen und bevor die Erweiterung der Infrastruktur begann, konnte das MySQL-Team bereits einen Gewinn auf der Ebene der Systemarchitektur verzeichnen – und war damit proprietären Anbietern einen Schritt voraus. Welchen Preis hätten wir also im Voraus verlangen sollen? Ganz gleich, wie hoch er gewesen wäre – sie hätten unser Produkt nicht genutzt. Start-up-Unternehmen und Entwickler zahlen nicht für Software. Ich stelle Ihnen eine andere Frage: Was hätten wir dem Unternehmen gezahlt, damit es sich im Vorfeld seines enormen Wachstums für MySQL statt für ein proprietäres Produkt entscheidet?

Das ist die richtige Frage. Wir haben jedoch nichts gezahlt – das MySQL-Team hat es sich verdient, dass seine Software eingesetzt wird.

Kauft das Unternehmen jetzt eine Lizenz? Möglicherweise nicht, aber wir befinden uns in einer sehr guten Ausgangslage, falls es sich dafür entscheidet – und damit dem Beispiel von Unternehmen wie Facebook, Nokia oder der New York Times folgt. Bis dahin kommen wir in den Genuss einer kostenlosen Empfehlung. Heute früh habe ich mich im Rahmen des StartupCamp mit einer Reihe von Start-up-Unternehmen getroffen und mich erkundigt, welches Unternehmen keine freie Software verwendet. Alle Hände blieben unten. Weshalb konzentrieren wir uns auf Start-up-Unternehmen? Weil wir uns auf Entwickler konzentrieren – ganz gleich, ob diese in großen oder kleinen Unternehmen tätig sind.

Gibt Ihnen die Konkurrenz Anlass zur Sorge?
Nein, überhaupt nicht. Wir haben festgestellt, dass die Absätze überall in den USA zurückgehen. Die Konkurrenz ist nicht unser Problem. Es ist nicht so, dass andere die Aufträge erhalten – es wurden einfach weniger Aufträge erteilt. Eine größere Herausforderung stellt die Lage auf dem US-Markt dar. Dazu kommt möglicherweise die Tatsache, dass viele Unternehmen Käufe jetzt relativ spontan von ihrer Kaufkraft abhängig machen (obwohl ich eigentlich nicht der Ansicht bin, dass Server mehr von der Kaufkraft abhängig sind als Speicherlösungen; vielmehr sind beide Produkte konvergent). Avnet, einer unserer größten Vertriebspartner, hat in den USA ähnliche Erfahrungen gemacht.

Weshalb haben Sie keine Voraussagen für das Quartal herausgegeben?
Wir wollten sichergehen, dass wir bei der Bekanntgabe der Ergebnisse bereits endgültige Zahlen sowie einen Plan für die Anpassung der Kostenstruktur vorweisen konnten. Da wir uns mitten in einer ERP-Transition befinden, waren wir noch bis weit in den April mit der Auswertung der Ergebnisse beschäftigt. Darüber hinaus mussten wir zusammen mit dem Vorstand unseren Umstrukturierungsplan für das Finanzjahr 2009 überarbeiten, bevor wir ihn veröffentlichen konnten. Wir haben die Zahlen bekannt gegeben, sobald wir getagt, den Plan überarbeitet und ihn genehmigt hatten.

Wie kommt es, dass Sun Verluste hinnehmen muss, obwohl das Unternehmen noch vor einem Jahr Gewinne geschrieben hat?
Ohne zu tief in die GAAP-Buchhaltung einzusteigen: Wir haben Bareinnahmen in beträchtlicher Höhe im Quartal verzeichnet (weit über 320 Millionen), aber um von diesem Wert zu den konsolidierten GAAP-Einnahmen zu gelangen, muss eine ganze Reihe Bilanzposten berücksichtigt werden, darunter die Übertragungsbilanz, die Abschreibung des Firmenwerts, Steuerverordnungen und die Kostenbuchung für Aktienoptionen. Diese nicht zahlungswirksamen Posten ergeben zusammengenommen Aufwendungen in Höhe von 0,22 US-Dollar.

Wie sieht es mit dem Aktienrückkauf durch Sun aus?
Wir kommentieren Rückkaufpläne nicht, aber wir werden eventuelle Rückkäufe am Ende des Quartals bekanntgeben.

Wann ist mit einer Erholung des US-Markts zu rechnen? Wird sich das Problem auch auf den Rest der Welt ausweiten?
Bei Sun entwickeln wir innovative Netzwerke, wir treffen keine Voraussagen über die Weltwirtschaftslage.

Und ich hoffe, damit erhalten Sie – genau wie wir – einen besseren Überblick. Ich möchte zum Schluss noch auf eine etwas ärgerliche Frage eingehen:

„Wieso verschwendet der CEO von Sun eigentlich seine Zeit mit diesem Blog?“
Ich glaube, dass wir nicht nur im Rahmen des Jahresberichts klare Informationen über unsere Strategie und unsere Betriebsabläufe vermitteln sollten. Und ich bin davon überzeugt, dass unsere Aktionäre, Kunden, Partner und Mitarbeiter von klaren Richtungsangaben profitieren.

In guten Zeiten und in Zeiten der Herausforderung.

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Safe-Harbor-Erklärung

Jonathans Blog enthält Prognosen zu künftigen Ergebnissen und Geschäftsleistungen von Sun, darunter auch Aussagen zu unserem Umstrukturierungsplan und zu den erwarteten passivische Rechnungsabgrenzungsposten. Diese Prognosen unterliegen Risiken und Unwägbarkeiten; die tatsächlichen Ergebnisse könnten daher maßgeblich von den in den Prognosen genannten Erwartungen abweichen. Faktoren, die wesentliche Abweichungen der tatsächlichen von den in diesen Prognosen erwarteten Ergebnisse verursachen könnten, sind unter anderem die mit der Entwicklung, der Konzeption, der Herstellung und dem Vertrieb neuer Produkte verbundenen Risiken; das Ausbleiben des erwarteten Erfolgs bei technologischen Fortschritten; Preisdruck; mangelnde Akzeptanz neuer Produkte durch Kunden; die Möglichkeit von Fehlern oder Mängeln in neuen Produkten; Wettbewerb; nachteilige Handelsbedingungen; Verlust wichtiger Mitarbeiter; die Einstellung oder Verzögerung von Projekten; unsere Abhängigkeit von nicht ersetzbaren Anbietern; Risiken im Zusammenhang mit unserer Fähigkeit zum Einkauf ausreichender Mengen an Komponenten zur Erfüllung der Nachfrage; Inventarrisiken sowie Verzögerungen bei der Produktentwicklung, der Kundenakzeptanz und der Implementierung neuer Produkte und Technologien. Lesen Sie bitte auch die regelmäßigen Berichte, die Sun der US-amerikanischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission vorlegt, darunter der Jahresbericht auf Formular 10-K für das Finanzjahr bis zum 30. Juni 2007 und die Quartalsberichte auf Formular 10-Q für die Quartale bis zum 30. September 2007 und zum 31. Dezember 2007. Sun haftet nicht für diese Prognosen und deren Aktualisierung.

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